Ein vom Hof Tamcke aus Dollern, LK. STADE, im Mai 2000 transloziertes, ca. 150 Jahre altes Backhaus wurde im authentischen Zustand wieder hergerichtet.

 

Nach der Grundsteinlegung im Sommer 2001, dem Richtfest im Herbst 2001 und der Einweihung im Sommer 2002 waren die Restaurationsarbeiten abgeschlossen. Fehlende Teile sind durch alte Materialien ergänzt worden, die aus bereits entsorgten bäuerlichen Gebäuden abgesammelt wurden. Das mit Tonpfannen versehene Backhaus ist ca. 14,00 m lang und 4,80 m breit und besteht aus zwei Teilen:

Dem Arbeitsraum mit Handformziegeln ausgemauerten Fachwerkwänden und mit einem Nurdach versehenden Backofen dahinter. Im Arbeitsraum befindet sich die Backstube mit Vorraum für das Brotschieben, von dem aus der Steinofen beschickt wird.

Backhaus

 

Unser Lehmbackofen im Backhaus ist auf Sand und Feldsteinen gebettet. Die Backfläche besteht aus Ziegelsteinen, die Wölbung des Backraumes aus Ziegeln und Lehm und ist ca. 40 cm dick. Also genug Masse, um Wärme zu speichern. Der Ofen hat ein Loch im hinteren Backraum, wo der Rauch beim Anheizen über einen liegenden Schornstein abgelenkt und weiter in den offenen Abzug geleitet wird. Der Ofen ist durch ein Nurdach geschützt. Im Lehmbackofen wird gespaltenes Holz geschichtet und ca. 4 Stunden abgebrannt. Der Rauch fällt aus dem Mund und zieht ab durch den Abzug. Die Holzscheite werden im vorderen Raum angezündet und dann nach hinten geschoben. Holz wird nachgelegt und später die Glut über die Backfläche verteilt. Nach Erreichen der Backtemperatur von ca. 210 Grad wird die Glut entfernt und der Ofenboden mit nassem Jutesack ausgewischt. Ca. 100 Brotlaibe werden mit einem Brotschieber geschoben, der Ofenmund geschlossen. Die Strahlungswärme backt in ca. 45 Minuten das Backgut ab.

 

Auch backen wir Butterkuchen, Apfelkuchen, Pizza und sogar Spanferkel. Früher haben die Backöfen keinen speziellen Rauchabzug gehabt und wurden dann auch als Rauchhaus zum Räuchern von Fleisch und Wurstwaren mitbenutzt.

 

Nach dem Brot- und Kuchenbacken wurde früher häufig mit der Restwärme Obst (Äpfel, Birnen und Pflaumen) und Flachs getrocknet. Mutter schob noch die klammen Kienfederbetten in den Ofen zum Aufwärmen. Wir Gören hatten eine warme Höhle zum Spielen.